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Jeden Abend zur gleichen Zeit. Dein Baby ist satt, frisch gewickelt, wird gekuschelt – und weint trotzdem, als würde die Welt untergehen. Wenn dir das bekannt vorkommt, hast du wahrscheinlich Bekanntschaft mit Koliken gemacht. Und du bist nicht allein – das ist einer der häufigsten Gründe, warum Eltern in die Kinderarztpraxis kommen.

Und jetzt die gute Nachricht: Koliken schaden deinem Baby nicht und gehen von selbst vorbei. Bis dahin gibt es Dinge, die wirklich helfen – und solche, die nur überzeugend klingen.

Kurz beantwortet: Koliken sind Weinen über 3 Stunden am Tag, an über 3 Tagen pro Woche, mindestens 3 Wochen lang bei einem sonst gesunden Baby. Die Ursache ist unbekannt, ein Patentmittel gibt es nicht, aber meist enden sie mit etwa 4, spätestens 6 Monaten. Oft helfen Kuscheln, aufrechtes Füttern, Aufstoßen und Ruhe.

Was sind Koliken eigentlich?

Als Koliken bezeichnet man heftiges, langanhaltendes Weinen bei einem ansonsten gesunden Baby, das normal trinkt und zunimmt. Ärzt*innen nutzen oft die „Dreierregel“: Weinen mehr als 3 Stunden am Tag, an mehr als 3 Tagen pro Woche, mindestens 3 Wochen lang.

Typische Anzeichen:

  • das Weinen kommt meist am späten Nachmittag oder Abend;
  • dein Baby läuft rot an, zieht die Beinchen zum Bauch oder macht ein Hohlkreuz;
  • es lässt sich schwer beruhigen, egal was du tust.

Die genaue Ursache ist bis heute nicht bekannt. Deshalb gibt es auch kein „Wundermittel“. Aber eine richtig gute Nachricht gibt es: Laut NHS verschwinden Koliken meist bis zum 4. Monat, spätestens bis zum 6.

💡 BabyVita-Tipp

Wenn du merkst, dass dir die Geduld ausgeht, leg dein Baby an einen sicheren Ort – auf den Rücken ins Bettchen – und geh für ein paar Minuten ins Nebenzimmer. Das Weinen schadet ihm nicht. Schüttle niemals ein Baby, egal wie müde du bist.

Was hilft?

Ein Erfolgsrezept mit Garantie gibt es nicht, aber diese Dinge machen die Abende oft leichter:

  • Kuscheln und Tragen – auf dem Arm oder im Tragetuch, mit sanftem Wiegen.
  • Aufrechte Haltung beim Trinken – so schluckt dein Baby weniger Luft. Lass es nach dem Trinken aufstoßen.
  • Beruhigen vor dem Füttern, statt Füttern als Beruhigungsmittel – ein ausgehungertes, weinendes Baby schluckt mehr Luft.
  • Ruhige Umgebung – gedämpftes Licht, kein Fernseher, ein gleichmäßiges Geräusch wie leises Rauschen.
  • Sanfte Bauchmassage – mit kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn.
  • Ein warmes Bad – für manche Babys ist das wie ein kleiner Wellness-Tag. 🛁

Wenn du stillst, musst du nicht auf eigene Faust „vorsichtshalber“ Lebensmittel weglassen. Änderungen an deiner Ernährung nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin.

Mythen, die gut klingen

  • Tropfen gegen Blähungen – Übersichtsarbeiten finden keine verlässliche Wirkung gegen Koliken.
  • „Kolik-Wasser“ und Kräutertees – die Belege sind sehr schwach oder fehlen ganz. Und Tee nimmt Platz im Bäuchlein weg, der für Milch gedacht ist.
  • Häufiges Wechseln der Säuglingsnahrung – löst das Problem selten und kann dein Baby durcheinanderbringen. Wenn du über einen Wechsel nachdenkst, frag zuerst in der Kinderarztpraxis.
  • Mittel, die in den Po eingeführt werden – der NHS rät ausdrücklich davon ab, weil sie verletzen können.
  • „Es weint, weil du etwas falsch machst“ – nein. Koliken sind kein Zeugnis für dein Elternsein.

Bei gestillten Babys haben bestimmte Probiotika (nützliche Bakterien) laut wissenschaftlichen Übersichtsarbeiten die beste Datenlage – die Wirkung hängt aber vom jeweiligen Bakterienstamm ab und besteht eher darin, dass das Weinen kürzer wird. Besprich mit deiner Kinderarztpraxis, ob sie für dein Baby infrage kommen.

💡 BabyVita-Tipp

Führt ein paar Tage lang ein „Schreitagebuch“: Wann beginnt das Weinen, wie lange dauert es, was hat dein Baby getrunken? Das hilft dem Kinderarzt – und dir zu sehen, dass die Abende nach und nach kürzer werden.

Wann solltest du ärztlichen Rat holen?

Melde dich in der Kinderarztpraxis, wenn dein Baby:

  • Fieber hat, oft oder sehr heftig erbricht;
  • nicht gut trinkt oder nicht zunimmt;
  • Blut im Stuhl hat oder sich der Stuhl verändert;
  • ungewöhnlich weint – schrill, schwach oder wimmernd;
  • auch nach dem 4. Monat noch so viel weint.

Ruf die 112 an, wenn dein Baby blau anläuft, sehr blass oder fleckig wird, schwer oder sehr schnell atmet oder ungewöhnlich schlapp ist.

Und noch etwas: Wenn du selbst merkst, dass du nicht mehr kannst – auch das ist ein guter Grund, mit einer Ärztin oder einem Arzt zu sprechen. Gut für dich zu sorgen, gehört dazu, gut für dein Baby zu sorgen.

Für die Papas

Die Abendschicht ist deine Chance. Nimm das Baby, dreht eine Runde durch die Wohnung, wiege es, summ ein Lied. Viele Babys beruhigen sich bei einer tieferen Männerstimme. Und Mama kann mal eine halbe Stunde lang ihre eigenen Gedanken hören.

Kurz gesagt

Koliken sind eine harte, aber vorübergehende Phase. Du bist nicht schuld und machst nichts falsch. Wechselt euch ab, ruht euch aus, nehmt Hilfe an. Eines Tages merkst du, dass der Abend ganz ruhig war – und weißt gar nicht mehr genau, wann das angefangen hat. Du machst das großartig. 💛

Quellen: NHS / nidirect – Infantile colic (baby colic); NHS Healthier Together – Colic; BMJ Open (2020) – Comparison of common interventions for the treatment of infantile colic: a systematic review of reviews and guidelines.

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